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Juli 11, 2016

Ein Tag im Leben als Mietkoch

Wie sieht so ein Tag im Leben als Mietkoch eigentlich aus? Montags ist immer ein besonderer Tag. An den meisten anderen Tagen kann ich ausschlafen aber am Montag morgen kümmere ich mich um das Frühstücksbuffet der Filiale eines internationalen Unternehmens, die sich in der Stadtmitte befindet. Da treffen sich ca. ein Dutzend Direktoren und Vizepräsidenten, um die Unternehmensstrategie zu diskutieren, und ich sorge dafür, dass sie reichlich Essen und Wasser bekommen, um sich für einen langen Arbeitstag zu wappnen.

Bereits um 8 Uhr morgens …

Verlasse ich das Haus und brauche nur eine viertel Stunde, um beim Bäcker und im Supermarkt frische Zutaten für die Frühstücksbrötchen zu besorgen, die ich als Mietkoch auftischen werde.

 groceries

Um neun Uhr …

Stehe ich in der kleinen Küche, die die Mitarbeiter vor allem für ihre Kaffee-Pausen benutzen. Diese Woche bereite ich ein kontinentales Frühstück mit argentinischem Flair vor, denn der Geschäftsführer sagte mir, das Team aus Buenos Aires würde für ein wichtiges Meeting eintreffen und der Mietkoch sollte dafür sorgen, dass sie sich wie zu Hause fühlen. Ich verbrachte also ein Teil meines Wochenendes damit, verschiedene Rezepte ausfindig zu machen und einige Getränkespezialitäten auszukosten. Gestern konnte ich sogar Yerba Mate-Teeblätter ausfindig machen, so dass die Gäste gleich morgens ein richtig authentisches Getränk genießen werden. Ich habe Aufstriche aus leicht getoastetem Brot mit Frischkäse, Eingemachtes und Dulce de Leche, eine cremige argentinische Milchkonfitüre, angeboten, dazu ein paar dutzend mit Käse und feinem Schinken gefüllte Croissants. Zuvor hatte ich eine große Menge an Ingwer-Minz-Limonade zubereitet, in Argentinien ein sehr beliebtes Getränk. Gerade als ich das Ganze auftische erscheint das übliche Team mit den lateinamerikanischen Kollegen und alle stürzen sich auf das Frühstücksbuffet.
Der Geschäftsführer gibt mir mit einem freundlichen Nicken zu verstehen, dass alles OK war und binnen kurze Zeit sind die Reste weggeräumt, Geschirr und Besteck gespült, und schon mache ich mich auf den Nachhauseweg.

Das Highlight für den Mietkoch …

Es sind noch ein paar Stunden bis ich am selben Abend zwei Personen mit einem romantischen italienischen Essen verwöhnen werde. Ich habe bereits alle Zutaten gekauft und endlich ein bisschen Zeit, in meinem eigenen Zuhause zu bleiben! Vorher schaue ich noch beim Weinhändler an meiner Straßenecke vorbei und hole mir ein paar Vorschläge für das Abendessen.

Und schon ist es halb fünf …

Ich stehe in einer Küche, die kaum größer ist als diese in der Firma heute früh, die Spaghetti fangen an zu kochen und ich bin dabei, für die Vorspeise ein paar Bruschettas anzurichten. Der Gast meines Kunden klingelt an der Tür. Ich reiche ihr zum Empfang wie gewünscht ein Glas Merlot und eile zurück zur Küche. Die Gäste lassen sich die Vorspeise sichtlich schmecken und nach meiner traditionellen Version der Spaghetti Bolognese ist gerade noch genug Platz für den Tiramisu, den ich als gut organisierter Mietkoch im Voraus zubereitet habe. Zur Krönung des Ganzen wird die zweite Flasche serviert, diesmal ein süßer Shiraz.

Es ist bald sieben Uhr abends

Der Tag war lang, ich räume ab, mache den Abwasch und wünsche meinem Kunden und seinem Gast einen schönen Abend. Für einen privaten Chefkoch sind Montage arbeitsreiche Tage, und doch würde ich nie tauschen.

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